Index
Text

Nach dem Breakfast Club

Raphael Dau

BA 13/2

Image

Installationsansicht/Installation view

Image

Videostill

Image

Installationsansicht/Installation view

Image

Videostill

Image

Installationsansicht/Installation view

Als John Hughes’ „The Breakfast Club“ 1985 weltweit die Kinosäle füllte, interessierten sich Millionen für die Geschichte von fünf Schülern, die an einem Samstagmorgen in einer Highschool in Illinois nachsitzen. Die Figuren des Films könnten unterschiedlicher nicht sein. Es treffen aufeinander: ein Streber, ein Freak, ein Sportler, eine Prinzessin und eine Verrückte. Trotz anfänglichem Widerwillen kommen sie sich im Laufe des Tages näher. Die Bibliothek einer Highschool in Illinois wird so zum Schauplatz eines Kammerspiels, in dem es um Stereotypisierung, soziale Akzeptanz, Gruppenzugehörigkeit, das Verhältnis zu den Eltern, soziale Ungleichheit, Erfolgsdruck und schlussendlich auch um die erste Liebe geht. Knapp dreißig Jahre später hat Hughes’ Film mit seinen zeitlosen Konflikten Kultstatus erreicht.

In der Videoarbeit „Nach dem Breakfast Club“ sprechen Jugendliche aus Bottrop, Duisburg, Gelsenkirchen und Essen vor laufender Kamera über den genannten Kinoerfolg der Achtziger Jahre. Auf Basis vieler „Filmgespräche“, in denen die Teilnehmer meines Projekts sich mit mir über den Film unterhalten, ist eine halb-dokumentarische Collage entstanden, in der die Handlung des Hollywood-Erfolgs sekundär wird und ich als Gesprächspartner in den Hintergrund trete. Besondere Relevanz kommt viel mehr der individuellen Filmwahrnehmung meiner „Protagonisten“ zu. Die Jugendlichen positionieren sich zu den fiktiven Figuren der Filmvorlage. Sie bewerte das Verhalten der Charakter im Film, sympathisieren mit ihnen oder distanzieren sich von ihnen und setzen ihr eigenes Leben ins Verhältnis zu dem Gesehenen. Ausgehend von der Annahme, dass Identität im Dialog entsteht, und dass der Film als „medialer Dialogpartner“ an unseren Orientierungs- und Sinnfindungsprozessen beteiligt ist, verbildlichen die Filmgespräche mit den Jugendlichen einen Rezeptionsprozess, der nicht von theoretischen Aspekten wie unserer „imaginativen Nähe“ zu fiktiven Figuren im Film, dem Kino als ideologieproduzierendem Apparat oder dem Kino als Ressource identitärer Bausteine zu trennen ist. Gleichzeitig wird deutlich, dass jeder Einzelne die Handlung des Films und die Charaktere aus seinem ganz persönlichem Erfahrungshintergrund heraus wahrnimmt und beurteilt.

The project “Nach dem Breakfast Club” (“After the Breakfast Club”) features several pupils from the Ruhr Region (including Bottrop, Duisburg, Gelsenkirchen and Essen). The teenagers are set against a light grayish paper background while they individually comment on John Hughes’ 1985 hit film, The Breakfast Club. The work consists of interview-like “film-talks” that were arranged with the students. Through creating a collage of documentary material, the work primarily focuses on individual methods of perception. If we start with the assumption that identity is formed through various means of communication, we might also consider moviegoers’ perception of films as part of this communicative process. It shows that the participants are constantly interpreting and evaluating the film plot and characters through their own individual lenses. Hence the question is to what extent the pupils’ individual associations of empathy and dissociation are related to their own processes of identity formation.